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ZEBRA - Manifest No.1 / Nov. 64 - Feb. 64
Der NEUE REALISMUS
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Die Unverbindlichkeit innerhalb der Künste muß aufhören! Wir fordern deshalb für die Malerei eine allgemein-verbindliche gegenständliche Grundlage, die Erstellung einer umfassenden Formel für Figuren, Gegenstände, Landschaften etc., mit der jeder nach seinen Bedürfnissen arbeiten kann.
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Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war beherrscht durch die Abstraktion, die 2. Hälfte sollte einem Neuen Realismus gehören, der einerseits die formalen Errungenschaften integriert, andererseits aber auf eine (drastische) Bedeutung hinzielt.
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Es ist ein unhaltbarer Zustand, daß die Malerei seit Jahrzehnten einen hochgezüchteten lndividualismus pflegt, der sich darin gefällt, "Seelenlandschaften" herzustellen, die schließlich nur noch für den jeweiligen Erzeuger bindend und verständlich sind, anstatt sich um die längst überfällige künstlerische Bewältigung einer inzwischen total veränderten Umwelt zu kümmern.
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Wir fordern.daher eine Malerei, die sich direkt mit den Phänomenen dieser Umwelt auseinandersetzt. Vorrangig abzubilden sind dabei - außer der menschlichen Figur - diejenigen Dinge, die unsere Umgebung heute in hohem Maße prägen, in ihr oft vorkommen, noch nie gemalt wurden oder optische Phänomene der modernen technisierten Welt typisch widerspiegeln wie Autos, Flugzeuge, Plastikgegenstände, Sportgeräte, Spielzeug usw. Im Kontext mit Figur, Tier, Pflanze könnte so das ambivalente Spannungsverhältnis zwischen den Lebewesen und die sie umgebende Technologie gezeigt werden.
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Die Form hat sich dabei nach den Dingen, nach ihrer Bedeutung und der Beziehung der Dinge untereinander zu richten - nicht umgekehrt. Der formale Kodex ergibt sich demzufolge aus ihren hervorstechendsten Eigenschaften: Plastizität für Gegenstände und Figuren, Flächen für Hintergründe, Lokalfarbigkeit.
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Die Figuren im Bild sollten also nicht nach optischen Gesichtspunkten funktionieren, sondern nach funktionalon, von "innen nach außen". Nicht das Zufällige, Individuelle und Anekdotische interessiert. sondern das Allgemeine. Deshalb muß alles fehlen, was vom Prototypischen ablenkt: eine zufällige Beleuchtung, eine zufällige Oberfläche, eine zufällige Färbung der Dinge, zufällige Räumlichkeit und Umgebung usw. Statt dessen: Körperplastizität, glatte Oberfläche, Lokalfarbe, Zentralperspektive. Mittelkomposition, Exponierung der Figur.
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Es geht in diesem Moment der Malerei um die komplexe Neuerstellung von Dingen im Bild, um das ABC der Dinge. ohne auf die vorabstrakte Malerei zurückzugreifen. Mit dieser Grundlage könnte eine neue, wirklich bedeutende realistische Malerei des 20. Jahrhunderts mit verschiedenen Ausformungen möglich werden.
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Unser Welt-Bild wird heute optisch zumindestens 90% durch Bildvorstellungen bestimmt, die kein Künstler geschaffen hat: Werbung, Fotografie, Film, Fernsehen haben Sehgewohnheiten entstehen lassen, die von bildenden Künstlern erst zu einem geringen Teil reflektiert worden sind. Fotos in Zeitungen, Zeltschriften usw. wurden bislang besinnungslos konsumiert - ihre Bewußtmachung ist längst überfällig. Die typischen Stilmittel der Fotografie sind: "verzerrte" - also objektive - Perspektive (Tele, Weitwinkel), Aufsicht ("Vogel"-Perspektive), Untersicht ("Frosch"-Perspektive), Farbstichigkeit (künstliche Beleuchtung), "Einfrieren" von Bewegungen (Kurzzeitbelichtung), "Verwischen" (Langzeitbelichtung), Ausschnitt, Anschnitt u.v.m.
Wer sich heute mit der Erstellung eirier neuen gegenständlichen Malerei befaßt. kann an den total veränderten Sehgewohnheiten seiner Zeitgenossen nicht vorbeigehen, muß also die Sicht der Kamera in hohem Maße mitreflektieren und in seine Malerei mit einbeziehen.
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Diese komplexe Aufgabe Ist von einem einzelnen Künstler kaum oder nur über lange Zeiträume zu lösen. Nach 5-jähriger Zusammenarbeit. (seit 1960) stellen wir fest, daß an künstlerischen Problemen, reflektiert durch verschiedene Mentalitäten, in der Gruppe schneller und präziser gearbeitet werden kann. Ein Zusammenschluß macht unabhängiger von finanziellem und gesellschaftlichem Druck.
Wir gründen hiermit die Gruppe ZEBRA.
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Alle Künstler müssen, ohne dabei im mindesten ihre Eigenständigkeit zu verlieren, im Interesse effektiver geistiger Lösungen und der Uberwindung ihrer Isolation sowohl üntereinaner aIs auch nach außen, sich ihres gemeinsamen Potentials bewußt werden. Nur so kann Kunst diejenige Stellung in der Gesellschaft erreichen, die ihr ihrer Bedeutung nach zukommt - nämlich eine zentrale.
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